Der Postplatz ist einer der schönsten und wichtigsten Plätze der Stadt Görlitz. Lange Zeit galt er als das öffentliche und geschäftliche Zentrum der Stadt, die sich hier im ausgehenden 19. Jahrhundert mit dem Muschelminna-Brunnen ein Denkmal ihrer florierenden Wirtschaftskraft setzte. Das gründerzeitliche Görlitz nahm hier, nach dem Bau des Postamtes in der Mitte des 19. Jahrhunderts, seinen Anfang.
Aufgrund des Sanierungsbedarfs des begrünten Stadtplatzes ließ die Stadt Görlitz, vertreten durch das Tiefbau- und Grünflächenamt, im Jahr 2010 eine gründliche Analyse der historischen Entwicklung anfertigen. Auf der Basis zahlreicher Recherchen in Archiven und Bibliotheken sowie der Analyse des Bestands beschrieben wir die Geschichte des Platzes. Eine Anlagengenetische Karte stellt die wichtigsten Entwicklungsphasen in der Überlagerung dar.
Unsere Konzeption für den künftigen Umgang mit dem Platz sieht einen Rückgriff auf das Prinzip der kreuzförmigen Erschließung vor. Dieses ursprüngliche Konzept war in den 1930er Jahren mit dem Ziel verlassen worden, Großzügigkeit und Monumentalität zu schaffen. Aufgegeben wurde dabei auch die Verknüpfung des zentralen Brunnens mit dem Platzrand, der durch eine einzigartige Architekturkulisse geprägt wird. Das Konzept will sich nicht als Rekonstruktion verstanden wissen. Stattdessen soll die Gestaltung durch Material und Formensprache kenntlich machen, dass es sich um einen Entwurf der Gegenwart handelt.